Ich finde es ja immer rührend, wenn mir so ein Logarithmus zum Geburtstag gratuliert. Da fühlt man sich gleich geliebt.

Wie du vielleicht weißt, ist es dieses Jahr mein Fünfzigster. Und wenn ich so feiern könnte, wie ich wollte, hätte ich dir schon längst eine Einladung geschickt. Aber da mir bis vor zwei Monaten niemand die Fragen beantworten konnte, mit wie vielen Leuten man würde feiern dürfen und wo die 7-Tage-Inzidenz liegen würde – und spätestens seit der Delta-Variante – habe ich die Idee komplett begraben. Ich wollte mich weder zwischen Freunden entscheiden müssen, noch bei dem Geäffel mit Impfpässen, Quarantäne und Testergebnissen mitmachen. Oder ein Hygienekonzept entwickeln, Abstandsregeln einhalten. Man hätte ja nicht mal jeden umarmen können. Zumindest hätten einige gezögert. Oder dir ernsthaft Faust oder Ellenbogen hingestreckt. Obwohl die meisten von euch zu dem Zeitpunkt geimpft – oder wie ich angeimpft – gewesen wären. Deswegen fällt die Party dieses Jahr aus. Ist verschoben, nicht aufgehoben. Man muss so ein Fest ja wenigstens ein bisschen vorbereiten.

Der eigentliche Plan war, Freunde aus aller Welt einzuladen, ihnen Franken, meine Heimat, zu zeigen, sie herumzureichen. Viele von euch kennen sich ja untereinander gar nicht. Was schade ist. Über die Location war ich mir noch im Unklaren. Irgendwo im Freien. In einem Biergarten. Oder in dem Schützenvereinsheim, in dem Martin und Babsi Hochzeit gefeiert haben. Es hätte ein deftiges Büffet gegeben. Von Fusion Fingerfood bis Kloß mit Soß. Eine Tanzfläche natürlich. Und so Zwischenspiele, so spontan wirkende Performances von befreundeten Musikern – Fagottisten, Djembe-Meistern, ein bisschen E-Gitarre –, die einfach von ihrem jeweiligen Platz aufgestanden wären und losgelegt hätten. Bei einem aus der Situation geborenen Gesangsduett wollte ich mich auch beteiligen. Dann, weit nach Mitternacht hätte wohl mein japanischer Ex noch eine Tanzeinlage als steppender Cowboy gegeben. Es wäre eben die Party des halben Jahrhunderts geworden. Ein internationales Get-Together. Eine Verlustigung erster Kajüte.

Irgendwann hätte ich meinen Bierkrug erhoben und mit einer Gabel dagegen schlagen. Um eine Rede zu halten. Zum Runden kann man das bringen, finde ich. So ein bisschen Stand-up-Comedy wollte ich immer mal ausprobieren. Meine Weggefährtinnen zum Lachen animieren. Einen ersten Versuch starten, Komiker zu spielen. Im Sicherheitsnetz meines Freundeskreises. Obwohl, ihr Arschlöcher seid ja auch die Gnadenlosesten. Andererseits habe ich mich vor euch, glaube ich, schon oft genug zum Affen gemacht, dass es auch egal wäre. »Jetzt hast alle Dummheiten durch«, hat mein Vater zu mir gemeint, als ich zum ersten Mal einem Mann auf dem Standesamt das Ja-Wort gegeben habe.

Ich hätte den Krug abgestellt, ein Luft-Mikrophon in die Hand genommen, Augenkontakt hergestellt. »Liebe Gäste, liebe Freunde, schön, dass ihr alle gekommen seid und meiner Einladung folgen konntet. Ich weiß gar nicht, ob ihr es wusstet, aber mein vollständiger Name ist STEFAN, ›STEVEN‹« – eine Geste zu einem aus Kenia stammenden, aber aus Berlin angereisten Kumpel, der mich so nennt – »BRUNO CHRISTIAN HÜMMER. Und heute bin ich 50 Jahre alt geworden. Meine Pronomen sind er/ihn, meine Hobbys Bier.«

Ich hätte nur fünf Minuten Material gebraucht. Gut, sagen wir auf jedem Fall unter zehn. Man will ja nicht langweilen. Ich wäre seicht eingestiegen. Mit einem Geständnis. »Ja, ich bin laktosetolerant und habe eine Glutenverträglichkeit. Jetzt ist es raus«, hätte ich gesagt und mit den Worten »aber Scherz beiseite« weitergemacht. Ich bin selbst am meisten erstaunt, dass ich so lange durchgehalten habe. Ich hätte zum Himmel beziehungsweise – je nach Wetterlage – zur Decke der Lokalität gedeutet und mit feierlicher Stimme intoniert. »Deswegen möchte ich als Erstes dem kleinen bipolaren Mädchen da oben fürs Nichtexistieren danken. Und dafür, dass mir früh klar war, was für eine Drecksgehirnfickerei der ganze religiöse Schwachsinn doch ist. Dass ich kein Unwissender bin. Dass ich mich wieder in Atome zersetzen werde und in Milliarden Dingen weiterleben werde. Was viel schöner ist als jede kitschige Paradiesfantasie. Dass ich hoffe, Teile der 70 Prozent Wasser meines Körpers werden vielleicht einmal zu Bier verbraut. So viel zu dem CHRISTIAN als meinem Mittelnamen.

Ich wollte Slapstick, einen gespielten Witz einbauen. Stimmige Reime und rhetorische Fragen in die Rede integriert. Vielleicht hätte ich ein wenig gelallt. Ich wäre persönlich geworden. Hätte meine Lebensgeschichte angerissen und pikante Anekdoten erzählt. Die ersten Gäste wären hier vielleicht schon am Wegdösen gewesen.

Mir hätte es nicht gefallen, wenn jemand mein Gestammel gefilmt hätte. Ich hätte der Person zwar nicht mit einem blitzschnellen Sidekick das Handy aus der Hand getreten, aber es wäre meiner Konzentration definitiv nicht zuträglich gewesen.

Hoffentlich hätte sich eine bunte Schar um mich vereint. Vielleicht wären sogar Leute von den Philippinen, aus Portugal oder den USA angereist. Zumindest wäre es keine Veranstaltung mit ausschließlich schwach pigmentierten Mutanten geworden. Dass man sich hätte schämen müssen. Wir leben doch in so geilen Zeiten. Das Ende der weißen Vorherrschaft ist eingeläutet. Und vielleicht steht uns rechtzeitig wieder die Weisheit der gesamten Menschheit zur Verfügung. Ich weiß, schwules Gelaber, aber brauchen könnten wir es auf jeden Fall.

Oh, Mann. Es hätte alles so schön sein können. Ich hätte immer wieder meinen Krug hochgenommen, um allen zuzuprosten und zu einem Toast angesetzt. Allerdings wäre mir jedes Mal etwas Neues eingefallen, dass ich noch hätte loswerden wollen. Zum Beispiel Sachen, die mir im Lockdown tierisch auf den Sack gegangen sind.

Eigentlich habe ich immer für den Ausbruch des dritten Weltkriegs gebetet, um endlich mal meine Survival Skills auspacken zu können, aber Pustekuchen. Dann hätte man noch ein paar Jahre spannend gestalten können, bevor man zusammen mit dem kläglichen Rest an atomarer Verstrahlung oder Seuchen, die für immer im ewigen Eis eingeschlossen schienen, dahingesiecht wäre. Dann hätte vielleicht die Chance bestanden, sich als Menschheit wenigstens mit ein bisschen Anstand und Würde von unserem Planeten verabschieden zu können. In einem kollektiven Suizid? Dafür dann dieser lahme Virus. Den die meisten überleben. Nicht mal zu Zombies werden die Leute.

Einmal kam ein kleines Mädchen auf mich zu getölpelt. Mit einer am Wegesrand selbst gepflückten Blume in den Patschehändchen, die sie mir schenken wollte. Hinter meiner Maske lächelte ich zwar, hielt allerdings Abstand, wich aus, machte Windungen wie beim Fangenspielen und rannte schließlich weg. Es war todtraurig. Aber ich musste uns beide ja schützen. Oder nicht? ODER ETWA NICHT? – hätte ich übertrieben laut ins Publikum gefragt. Das Luft-Mikrofon ganz nah an den Lippen, Rückkopplung. Aufgrund einer schnellen Handbewegung wäre der Krug übergeschwappt.

In Deutschland hatten wir im Großen und Ganzen ja Glück. Die Pandemie war geradezu ein Grund zur Freude. Sowohl Volk als auch Staat haben endlich gemerkt, dass Künstler die systemrelevanteste Berufsgruppe sind. Wie viel mehr Leute wären gestorben oder hätten sich die Köpfe eingeschlagen, wenn sie nicht irgendetwas streamen hätten können, einen Artikel lesen, oder Musik hören. Mehr als alle Schwestern und Ärztinnen wieder hätten gesundpflegen und zusammenflicken können. Naja, selten so gelacht. Ein weiteres »Scherz beiseite«.

Aber was ich als ein teilzeitig in der Gastronomie Tätiger wirklich witzig fand, wie viele Leute plötzlich auf den schönen Namen Mickey Mouse hören, Hitler hießen oder Jens Spahn in den Meldezettel eintragen haben. Andere haben aufgrund der Maskenpflicht endlich selbst erfahren müssen, was für einen üblen Mundgeruch sie haben. Es war auch das Ende der Mär von deutscher Effektivität. Nach dem BER-Desaster, nun das Impfschneckentempo. Sogar Schweizer Kabarettisten haben sich über uns lustig gemacht. Und last but not least sind viele der letzten Original-Nazis weggestorben. Ich hätte ein »Amen« gehüstelt, so getan, als würde ich keine Luft mehr kriegen.

Dummerweise gibt es hierzulande weiterhin diese unglaubliche Befehlshörigkeit. Ohne zu hinterfragen wird gehorcht. Ohne selbst mal für fünf Sekunden nachzudenken. Den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Sich mal bildlich vorzustellen, wie sich so ein Virus verhält und in der Luft ausbreitet. Dann braucht man auch nicht kreuz und quer zu denken.

Mist, ich hätte die Blume annehmen sollen. Müssen! Mich bedanken!

Hoffentlich wären einige angeheiterte Zufallsbekanntschaften hereingeschneit. Oder jemand hätte Überraschungsgäste mitgebracht, neue Gesichter, aller Generationen. Wie das polnische Pärchen, das mir zu meinem Vierzigsten ein unerwartetes Ständchen gebracht hat. Hoffentlich hätte ich auch diejenigen demonstrativ ausgeladen, deren Meinung mir am Arsch vorbeigeht, deren fränkisch-pessimistische Art nicht mal echt ist. Provinzielle Neidhammel halt. Neidhammel Slash Hater.

Manchmal frage ich mich, warum nicht mehr von euch auf mich stolz sind, weil ich so ein netter Zeitgenosse bin. Warum meine Entscheidungen angezweifelt werden. Meine Zufriedenheit missbilligt. Nur weil ich noch keine große Karriere gemacht, oder nicht genügend in die Rentenkasse eingezahlt habe? Was läuft da falsch? Viel zu verdienen und damit in dieser, unserer abartigen Weltordnung zu funktionieren, war für mich nie eine Priorität. Oder ein Zeichen fürs Erwachsensein. Eher das Gegenteil. Vielleicht benutzte ich das auch nur als Ausrede, weil ich im Prinzip furchtbar faul bin. Oder weil ich Angst habe, mein Potenzial auszuschöpfen.

Egal, das einzige, das wirklich zählt, ist doch einen anderen Menschen – und sei es auch nur für einen flüchtigen Moment – aufzubauen und sein Herz mit Liebe zu erfüllen. Sei es ein Kind, ein Partner oder ein Fremder.

Andererseits bedeutet Geld zu besitzen, dass man mehr reisen kann. Aber da das dieses Jahr eh nicht ging, habe ich extra – und das mehrere Male – indische Weintrauben gekauft, um etwas für meine CO2-Bilanz zu tun.

Ich wäre kurz auf meine Faszination für Afrika eingegangen. Höchstwahrscheinlich hätte ich irgendwann Nelson Mandela zitiert. Mein Ausflug in die Wildnis, meine Zeit in Kanada wäre auch Thema gewesen. Die letzten drei Jahre, in denen ich zum zweiten beziehungsweise zum dritten Mal meine Unschuld verloren habe. Wo ich gelernt habe, dass ich vollends auf mich vertrauen kann. Und wie wichtig mir Tanzen ist. Ich musste einfach wissen, wie es sich anfühlt, in einem fremden Land zu leben, Migrant zu sein. Hätte häusliche Gewalt erwähnt – ein mitleidiges »Ooooooh« wäre erklungen –, und dass ich danach obdachlos war und Sofasurfing betreiben musste.

Na gut, drei Jahre Kanada sind jetzt keine Errungenschaft, aber auch nicht nichts. Als Autor ist es essentiell mal außerhalb des eigenen Kulturkreises zu verbringen. Von außen draufzuschauen, sich zu erinnern, sich auf eine Rückkehr zu freuen. »Nichts ist vergleichbar mit dem guten Gefühl, an einen vertrauten Ort zurückzukehren und zu merken, wie sehr man sich verändert hat.« Ha! Da ist das Mandela-Zitat.

Ich hatte probiert ein neues Zuhause zu finden, Freunde, eine Community. »Abä da war Kannä da.« Das wäre eine meiner wenigen Pointen im oberfränkischen Dialekt gewesen.

Auf meinen Yoruba-Ex wäre ich nicht weiter eingegangen. Der war psycho. Nur so viel, der Zipfel hat doch tatsächlich kein Bier getrunken. Unglaublich. Das Warnsignal schlechthin. Der musste ja eine Persönlichkeitsstörung haben. »Da hab ich dem Dregg a Eierla gehm.«

Nach der dritten vergeigten Ehe, muss ich jetzt nur noch ein Parfüm herausbringen, dann wandle ich komplett auf Elisabeth Taylors Spuren. Oder auf Loddars. Oder eben auch Nelson Mandelas.

Ich glaube, das war die größte – und da gibt es wirklich jede Menge Konkurrenz – Fehlentscheidung meines Lebens. Also, damals in der Siebten Latein und nicht Französisch als zweite Fremdsprache gewählt zu haben. Wie blöd kann jemand sein? Très triste. Oder wie man sagt.

Ich hätte meine ältesten Freunde, die ich alle mindestens seit der fünften Klasse kenne – meine Jugendgang – gesondert und einzeln lobend erwähnt. Besonders zu unserer Sturm- und Drangzeit haben wir gemeinsam Gehirnzellen wie Konfetti weggeworfen. Beziehungsweise weggelötet. Wahrscheinlich, weil wir wussten, dass wir genügend Vorrat hatten. Und jetzt, wo wir »Carls« ins James Bond-Alter gekommen sind und wissen, wie der Nippel durch die Lasche geht, fängt der Laden langsam an, auseinanderzufallen. Die Sehkraft, die Stehkraft, Erinnerungslücken, der Rücken. Haare sprießen an Stellen, wo sie nicht sprießen sollten, auf Sinnesorganen.

Ich hätte ein paar Workout-Übungen vorgeführt, mit denen sich ein Bierbauch reduzieren lässt. Damit ihr auch etwas Konstruktives hättet mitnehmen können. Spiderman Pushups, seine Füße mit Fingern berühren. Ich hätte mich noch vorne gebeugt, Ärschchen in die Höh.

Was mich an eine lustige Geschichte erinnert. Ich habe meine Mutter mal gefragt, ob sie jetzt wirklich einen Jungen haben wollte, oder ob sie nicht lieber ein Mädchen gehabt hätte – würde so einiges erklären, und ich habe ja schon zwei ältere Brüder – aber sie hat gemeint, sie wollte sich eigentlich nur die Schuhe zubinden.

Meine Eltern sind ja leider beide schon tot und ich bin mir sicher, jeder von uns musste in den letzten Jahren einen Verlust verkraften, oder ist gerade dabei, jemanden zu verlieren. Hat zumindest jemanden, an den er denken kann, wenn ich jetzt um eine Schweigeminute für Papiese bitte, meinen besten Freund in Namibia, der vor zwei Jahren ermordet wurde und einer der edelmütigsten Menschen war, die ich je kennenlernen durfte. Er war eigentlich der erste, der mich Steven genannt hat.

Natürlich wäre es keine Minute geworden, 50 Sekunden vielleicht. Und wie wir seit Inzidenzwerten wissen, ist 50 das neue 35. Hä? Wahrscheinlich hätte ich es sowieso nicht geschafft, mir das Ganze zu merken, hätte die Hälfte vergessen und wäre peinlich mit Zetteln in der Hand herumgestanden. Als hätte ich nach langer Zeit mal wieder meinen schwarzen Gürtel in Selbstzweifel umgebunden. Oder ich hätte mir aus Angst in die Hose geschissen, also sprichwörtlich. Mein unruhiges Verdauungssystem. »Surprise!«

Aber ist auch vollkommen Wurst. Wie so ziemlich alles. Von daher… Wahrscheinliches hätte es mehr Kalauer oder Punchlines benötigt. Oder man hätte sie besser setzen müssen. Viele von euch wären zu diesem Zeitpunkt schon in Grüppchen in Fass-Nähe gestanden und am Quatschen gewesen. »Wäre, wäre Fahrradkette.« Um auch Loddar zu zitieren.

Vielleicht werde ich mich auch mit einem Kasten »Herrenpils« auf die Kettenbrücke setzen und jeder Person, die vorbeikommt und mir gratuliert, ein Bier in die Hand drücken. Oder ich bringe ein Liebesschloss an. »SBCH« mit Herzchen. Nur für mich selbst. Naja, eher nicht. Nur geil ist es schon, dass ich mittlerweile der Mann bin, der ich immer sein wollte. Einer dieser Erwachsenen, die ich als Kind bewundert habe. Also relativ humorvoll, relativ viele Geschichten auf Lager. Habe mich relativ gut gehalten, obwohl die Tränensäcke am Wachsen sind. Relativ elegant gekleidet. Relativ weit gereist, relativ viel erlebt, relativ mehrsprachig.

Und obwohl in den letzten Jahrzehnten so gut wie keiner meiner Lebenspläne aufgegangen ist, bin ich ein relativ glücklicher Mensch. Ich habe mich stets weitergebildet, Selfimprovement betrieben, bin jetzt quasi Schüler der Klasse 45B. Ich genieße es auch zum ersten Mal in meinem Leben so viel Wissen zu haben und damit beeindrucken zu können. Besonders die Damen. Ich hätte zu einem weiblichen Gast geguckt und gefragt: »Na, stimmt’s Baby?«

Ich habe relativ viele Freunde. Und die meisten von euch sind auch solche Männer geworden. Oder eben Frauen. Oder divers. Ich bin stolz auf uns. Ich danke allen, die mir auf meiner Reise geholfen haben, mich begleitet haben. Dem erlauchten Kreis an sarkastischen Arschlöchern, der ihr seid.

Ich hoffe mal, dass – falls ich ins Rentenalter komme – ich so reich an Erfahrung bin, dass mir das als Altersvorsorge reichen wird. Mir helfen wird mit wenig Geld – Grundrente nehme ich mal an – auszukommen.

Aber so lange das Gestell mitmacht, würde ich schon gerne noch einige Male aufbrechen und weitere Länder bereisen. Noch möglichst oft eine Rosette polieren. So viel zu dem BRUNO als meinem Mittelnamen. Und was ich unbedingt noch schaffen will – was mir auf der Seele brennt –, mich exkommunizieren zu lassen. Leider ist es schwierig so ein Zwangssakrament rückgängig zu machen. Da musst du schon eine sogenannte »Kardinalssünde« begehen. Ein Attentat auf den Papst, einen Exorzismus überstehen oder abtreiben. Ich hoffe auch, dass die ganzen religiösen Schwachmaten wirklich Unrecht haben. Denn so ein Leben nach dem Tod wäre echt die Höchststrafe. Muss nun wirklich nicht sein.

Der Niederschrift der Rede fehlt jetzt halt die schauspielerische Unterstützung, das Betonen und die bewusst gesetzten Pausen. Und falls der Flow mal ins Stocken gekommen ist, sorry. Zusammen mit euch, meinen Gästen hätte ich feierlich das Glas erheben und endlich den Toast ausgesprochen.

»Also, auf uns!«, ich würde das Luft-Mikrophon wieder in den Luftständer stecken, »Aufs Trinken. Auf Franken. Auf Freundschaft. Ein Prosit.«

Ich hätte meinen Krug geleert, mich mit tiefer Verbeugung bedankt und mich wieder unter die Gäste gemischt.

Dann im nächsten Jahr! Zum Elfundvierzigsten.

 
Bamberg, 17.07.21